Eine Kirche geht ihren Weg
Nicht die Anweisungen einer Kirchenhierachie sind für die MCC-Gemeinden bindend, sondern die Beschlüsse der Regional- und Weltkonferenzen. Jede Gemeinde entsendet Delegierte zu diesen Konferenzen, die über Fragen des Bundes, der Kirchenverfassung usw. befinden.
Jede Gemeinde hat die Freiheit, eigenständig über die Form ihres Gottesdienstes und die Inhalte ihres Gemeindelebens zu bestimmen.
Als Freikirche lebt die MCC ausschliesslich von Spenden und gottesdienstlichen Sammlungen Eine Kirchensteuer wird nicht erhoben.
Eine Theologie der Basis
Die theologischen Grundlagen der MCC haben sich von der Basis her in Diskussionen, Konferenzen und Hauskreisen gestaltet. Da diese theologischen Grundsätze nicht nur Theorie bleiben, sondern im aktiven Gemeindeleben in die Praxis umgesetzt werden, unterliegen sie ständiger Weiterentwicklung, wobei der zentrale Punkt ihrer Theologie bestehen bleibt:
Menschliches Leben, einschließlich der Sexualität, muss seine Mitte finden in der Beziehung zu Gott, durch den Glauben an Jesus Christus, in dem Gott Mensch wurde.
Für die theologische Aus- und Weiterbildung ihrer PastorInnen und MitarbeiterInnen unterhält die MCC ein eigenständiges theologisches Seminar, das "Samaritan College".
Das Evangelium verstand die MCC von Anfang an jedoch nicht nur als Theologie, sondern im weitesten Sinne auch politisch und sozial.
Gleiche Rechte für Lesben und Schwule, Abschaffung der Diskriminierung und Anerkennung der MCC von den etablierten Kirchen war das politische Hauptanliegen der MCC in den 60er und den 70er Jahren.
Mit Demonstrationen, Protestzügen und Hungerstreiks wurde versucht, diese Ziele umzusetzen. Während in anderen christlichen Konfessionen immer noch erbitterte Auseinandersetzungen über die Stellung von Frauen in der Kirche geführt werden, arbeitet die MCC intensiv daran, jegliche Form von Sexismus aus ihrer Theologie, ihren Strukturen und ihrer Sprache zu entfernen.
Im Laufe der Zeit erweiterte sich das Engagement der MCC über den Kampf für die Rechte von Lesben und Schwulen hinaus. So unterhält die MCC z.B. seit 1987 eine Klinik in Ezinachi, Nigeria. Eine ungeheure Herausforderung stellt die Immunschwächekrankheit AIDS für die MCC dar und wurde in den letzten Jahren ein zentraler Schwerpunkt ihrer Arbeit.
Die Gemeinden tun, was sie können:
Seelsorge, Einrichtung von Zentren für Betroffene, Betreuung Erkrankter, Selbsthilfegruppen, Benefizveranstaltungen, Aufklärungsarbeit und vieles mehr.
Gegenwind
Von Anfang an schlug der MCC geballte Aggression entgegen: Viele ihrer Kirchen wurden in Brand gesteckt, entweiht oder zerstört. MCC-PastorInnen und Mitglieder wurden bedroht und zusammengeschlagen, den Gemeinden wurde es verwehrt, Räume für ihre Gottesdienste anzumieten.
All das geschah oft im Namen Jesu Christi. Ursache dieser Angriffe ist offensichtlich die bejahende Haltung der MCC zur Sexualität und somit auch zur Homosexualität. Denn an der Form, wie Gottesdienst gefeiert wird, oder an den Organisationsstrukturen kann es nicht liegen:
Die UFMCC ist eine ökumenische Freikirche. Die Lehre und das Sakramentsverständnis unterscheiden sich im Grundsatz nicht von denen anderer christlicher Kirchen. Der Glaube basiert auf den grundlegenden Bekenntnissen der christlichen Kirchen, dem Apostolikum und dem Glaubensbekenntnis von Nicäa.
Die MCC ist jedoch davon überzeugt, dass die gängige, traditionelle Interpretation der Heiligen Schrift - in ihrer Verdammung der Homosexualität - unhaltbar ist. Genauso wurde die Bibel lange Zeit dazu benutzt, um z.B. die Versklavung und Ausbeutung der Schwarzen zu legitimieren.
Weltweit
Zu Anfang hätte es niemand für möglich gehalten, dass die MCC die Grenzen von Los Angeles überschreitet. Von dort kommt auch der Name:
"Metropolitan" steht für die "metropolitan area", das Stadtgebiet von Los Angeles.
Aber inzwischen ist die MCC längst keine amerikanische Besonderheit mehr. Es gibt heute Gemeinden in Australien, Neuseeland, Japan, Indonesien, auf den Philippinen, in Nigeria, Südafrika, Argentinien, der Dominikanischen Republik, in Mittel- und Südamerika und Kanada. In Europa gibt es sie in Irland, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Spanien und seit 1988 auch in Deutschland.
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Auch wenn manche Fakten, Jahreszahlen etc. sich zwischenzeitlich geändert haben, gibt der Text einen Einblick in die auch geistliche Entstehung der MCC in Deutschland, speziell in Hamburg.
Basisgemeinde MCC Hamburg – Die Kirche (nicht nur) für Lesben und Schwule
Es war einmal eine Handvoll schwuler Christen, die sich im Magnus-Hirschfeld-Zentrum in Hamburg getroffen haben. Sie alle verband eines: sie waren schwul und sie hatten alle ihre Gemeindliche Heimat verloren.
Entweder wurden sie direkt aufgefordert, die Gemeinde zu verlassen, oder sie mußten ihre Anwesenheit mit Doppelleben und Unaufrichtigkeit erkaufen, was sie schließlich (wohl nicht ganz unbeabsichtigt) aus Ihren Gemeinden vertrieben hat.
In beiden Fällen ließen Gemeinde- und Kirchenrahmen es nicht zu, Männer in ihren Reihen zu akzeptieren, die andere Männer begehrenswert und sexuell anziehend finden. Und so saßen sie nun da, wollten beide Teile so selbstverständlich leben wie sie in ihnen auch existierten: Christlichen Glauben und Liebe zu Männern.
Als die Gruppe dann eines Tages, nach vielen Monaten gemeinsamen Bibellesens und Gottesdienst Feierns, Kontakt zu einer Englischen Gemeinde der MCC (Metropolitan Community Church, vor mehr als 25 Jahren in Los Angeles gegründet) bekam, entschloss sie sich bald darauf, ihren trauten Kleingruppen-Status zu verlassen und sich dieser „Kirche für Schwule und Lesben“ anzuschließen. – Die erste MCC-Gemeinde in Deutschland war gegründet.
Nun, das alles ist inzwischen gut 11 Jahre her. Seitdem hat sich vieles entwickelt und verändert. Was ursprünglich wie eine „Getto-Kirche“ begonnen hatte, als Sammelpunkt der Heimatlosen und Vertriebenen, ist heute eine Gemeinde, die jene Traumata ihrer Gründungszeiten weit hinter sich gelassen hat und einen eigenen Stil entwickelt, wie sich der christliche Glaube auch als Lesbe oder Schwuler offen und ehrlich leben und gestalten läßt. – Und es trägt Früchte.
So entstehen im Laufe der Jahre an weiteren Orten in Deutschland Gemeinden: so vor mehr als 5 Jahren in Köln; in München ist sie im Aufbau begriffen, in Stuttgart wird sie nächstes Jahr ihren ersten Gottesdienst feiern.
Dabei ist jede Gemeinde für sich selbstständig. Zusammengeschlossen sind sie über den sogenannten „Europa-Distrikt der UFMCC“ (Universal Fellowship of Metropolitan Community Churches), der an ehesten mit einem Bistum verglichen werden kann.
In ihm sind neben den deutschen Gemeinden, Gemeinden in Paris, Kopenhagen und England (derzeit rund 10) zusammengefaßt. Ihm steht neben einem gewählten Vorstand derzeit Cecilia Eggelton (Bath, GB) als Koordinatorin vor.
Einmal im Jahr treffen sich alle Pastoren und Delegierte der Gemeinden zu einer 3-tägigen Konferenz, auf der alle Entscheidungen von gemeinsamen Interesse getroffen werden. – Dies ganze Schema wiederholt sich dann auf Ebene des Weltbundes als Zusammenfassung der verschiedenen Distrikte in Amerika, Afrika, Australien, Asien,... mit einer großen Konferenz alle vier Jahre. – Aber wieder zurück zu Hamburg...
Staatsrechtlich als gemeinnütziger Verein organisiert, finanzieren wir uns durch Spenden der Mitglieder, Freunde und Freundinnen. Thomas Friedhoff wird als Pastor mit einer 1/3-Stelle finanziert. Selbst als ausgebildeter Baptisten-Pastor von seiner Gemeinde „gegangen worden“, nachdem er sich als Schwuler geoutet hat, hat er als „einer der ersten Stunde“ alle Höhen und Tiefen der Jahre mit durchlebt.
Vor einigen Jahren wurde er in der MCC zum Pastor ordiniert. Dazu notwendig ist eine theologische Ausbildung, die entweder in einer landestypischen Form (i.A. ein Theologie-Studium an einer Uni oder einem Seminar), oder über ein mehrjähriges MCC-internes Kursprogramm erlangt werden kann. Dies wird jeweils durch vertiefende Kurse ergänzt, in denen spezifische Themen wie z.B. „Sexualität und Bibel“ behandelt werden.
Nachdem die Gemeinde sich für Ihren Pastor / Ihre Pastorin entschieden hat, wird er/sie von Distrikt ernannt. Für die Finanzierung ist jedoch immer die lokale Gemeinde verantwortlich.
Wie bereits der Name Basisgemeinde MCC-Hamburg sagt, lebt die Gemeinde vom Engagement und der Mitarbeit aller Gemeindemitglieder.
Derzeit sind dies etwas mehr als 20 „eingetragene Vereinsmitglieder“ und fast noch einmal so viele Freunde und Freundinnen. Der Gesamtverteiler unseres Gemeindebriefes umfaßt mehr als 150 Empfänger.
Das Gemeindeleben zentriert sich um den Gottesdienst, den wir jeden Sonntag um 18:00 (in den Räumen des Hamburg CVJM (An der Alster 40)) jetzt: in eigenen RäumenSteindamm 87 feiern.
Die Predigten werden von Thomas, unserem Pastor, Gastpredigern (z.B. 1 x im Jahr Rainer Jarchow), oder Gemeindemitgliedern gehalten, die einen Predigtkurs absolviert haben. Der Liturgische Rahmen hat mit Wechsellesung, Glaubensbekenntnis, Beichte & Absolution, Predigt, Fürbitten, Abendmahl, Kollekte und Ansagen viele „Standard-Elemente“ wie sie sich auch in anderen Gemeinden finden.
Die explizite Ausgestaltung hängt jeweils von den Vorbereitenden ab und wird natürlich auch von deren Hintergrund (ehemalige Baptisten, Katholiken, Frei-Kirchler, Landeskirchler, Kirchen-Ferne) mit bestimmt. – Die darin enthaltene Vielfalt ist ein beabsichtigtes und bereicherndes Element unseres Gemeindelebens.
Neben dem Gottesdienst gibt es derzeit einen Hauskreis, ein Gebetstreffen, ein KüsterInnen-Team, ein Café-Team und den Vorstand. Im Herbst wird es drei-tägige Einkehrtage zum Thema Gebet geben.
In allen Aktivitäten ist uns die Gleichbehandlung von Frauen und Männern wichtig, was sich schon in der „inklusiven Sprachregelung“ deutlich wird. Eine schwule oder lesbische Orientierung ist kein Muß, aber auch kein Hinderungsgrund für die aktive Mitgestaltung am Gemeindeleben.
Letztes Jahr haben wir in einer Reihe von Workshops versucht, die Kernaussagen unserer Gemeinde zusammenzufassen. Und dies liest sich heute so:
- Die MCC lebt von dem Ja Gottes in Jesus Christus an alle Menschen.
- Durch den Aufbau einer heilenden, versöhnenden und einladenden Gemeinschaft will die MCC dem Ja Gottes Raum geben.
- Die MCC will Strukturen der Unterdrückung und Verneinung Zeichen der Bejahung entgegensetzen. Dazu engagiert sie sich vornehmlich für Lesben und Schwule.
So bliebe noch vieles zu sagen, aber wie so oft gilt auch hier: die „Idee MCC“ kann man aus Artikeln und Papieren erfassen, aber sie will erlebt und gelebt werden. Und so macht sich jedeR das beste Bild, indem er/sie einfach einmal zu einem oder mehreren Gottesdiensten vorbei schaut.
Vielleicht wirst Du dann, wie kürzlich eine neue Gottesdienst-Teilnehmerin auf die Frage wie Du MCC erlebst sagen: „Ich mag die Atmosphäre hier. Hier bin ich frei, kann ganz ich sein und doch meinen Glauben leben!“.
© Holger Kohlhoff
Dr. Holger Kohlhoff hat als Physiker 5 Jahre in der Medizinischen Forschung gearbeitet und ist nun seit 1 Jahr in einer Unternehmensberatung mit Schwerpunkt EDV-Unterstützung tätig. In der MCC war er 6 Jahre im Vorstand und 5 Jahre Kassenwart. 3 ½ Jahre hat er im Europa-Vorstand der UFMCC mitgearbeitet.
Hamburg, 2000