Basisgemeinde MCC Hamburg
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Hinnerk, März 2012

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THEMA DER WOCHE:  GESCHLECHTER-GERECHTE KOMMUNIKATION

Die Hamburger MCC-Basisgemeinde kommuniziert Glauben etwas anders als die etablierten Kirchen

 "Gott, Schöpferin aller Dinge ..."

Nicht nur Thomas Friedhoff verkündet bei der MCC-Basisgemeinde die Frohe Botschaft. Weitere zwölf Gemeindemitglieder halten regelmäßig die Sonntagspredigt, und die Zuhörer reden auch manchmal dazwischen.

Von Christine Kükenshöner

 

HAMBURG – Dort wo fröhliches Geplauder durch die angelehnte Tür ins Treppenhaus dringt, muss sie sein, die Metropolitan Community Church (MCC), die „Kirche (nicht nur) für Schwule und Lesben“, wie sich die Gemeinde in Hamburg nennt. Es ist Sonntagabend, kurz vor 18 Uhr – Gottesdienstzeit.

Etwas zögernd öffne ich die Tür. Einige Männer und Frauen haben es sich im Raum dahinter auf den Sofas bequem gemacht und blicken mich erwartungsfroh an, während ich vergeblich versuche, unter der versammelten Schar den Pastor auszumachen.

Da ich keinen Mann im Talar, dafür aber einen mit Kollar am Kragen erblicke – ein doch recht deutliches Zeichen für einen Geistlichen – begnüge ich mich vorerst mit dieser optischen Information und wende mich einem Mann zu, der sich mir mit dem Namen Eckard vorstellt. Dass er mir sofort das Du anbietet, während er mir das „Gesangbuch“ – eine Mappe mit durchnummerierten Kopien – reicht, erstaunt mich kaum. Denn bereits auf der MCC-Internetseite werde ich geduzt. „Schön, dass du vorbeischaust“, heißt es da. „Folge einfach dem kleinen lila Mönch (Anmerkung Webmaster: Das war die Version der Seite bis 21.12.10) (berühre ihn sanft mit deiner Maus) und du lernst uns Schritt für Schritt kennen.“

Einen lila Mönch gibt es zwar nur in der virtuellen Kirche, aber ziemlich bunt, genau genommen regenbogenbunt sind auch die Räume der MCC und die Menschen.

Vertrauensvoll setze ich mich neben Eckard in die zweite Stuhlreihe. Mit dem blauen Teppich verströmt der kleine Kirchenraum Wohnzimmeratmosphäre, die Kanzel erinnert ziemlich stark an einen Notenständer. Und beinahe fühle ich mich zurückversetzt in Zeiten urchristlicher Hausgemeinden. Zwar muss sich die 1988 gegründete Freikirche nicht wie die ersten Christengemeinden verstecken, aber von den etablierten Großkirchen wird de schwullesbische Sonderweg kritisch ablehnend beäugt.

Matthias stimmt am E-Piano das Eingangslied an: „Geh unter der Gnade“ – fröhlich schmettere ich das bekannte Lied mit, und der folgende Gottesdienstablauf mutet fast landeskirchlich konventionell an. Wären da nicht die kleinen feinen Unterschiede, die mich spüren lassen, dass hier eine junge ökumenische Basisgemeinde bestehende Konventionen durchbricht.

„Wie glauben an den einen Gott, Schöpferin aller Dinge. Den Gott der Liebe und der Gnade“, heißt es im Glaubensbekenntnis. Dass Gott im einen Moment grammatikalisch weiblich und im nächsten männlich ist, verwundert hier niemanden. Auch nicht, dass Jesus „mit seinen Freundinnen und Freunden“ zusammensaß in der Nacht, da er verraten ward. Die Anliegen feministischer Theologie sind bei dem Hamburger Ableger der 1968 in Los Angeles gegründeten Metropolitan Community Church ganz selbstverständliche Praxis geworden.

Wer jedoch aus einer katholischen Tradition stammt, dem dürfte das fast als Blasphemie erscheinen, dass ein Mann und eine Frau gleichzeitig das Abendmahl vorbereiten und die Einsetzungsworte im Wechsel sprechen.

Mir als junge Protestantin gefällt es jedoch. Und was mir noch besser gefällt, ist die gemeinsam gesprochene Absolution. Nicht der Pastor allein spricht die Vergebung der Sünden zu. Alle gemeinsam antworten auf das Schuldbekenntnis:

„Gott vergebe dir, Christus erneuere dich und der Geist befähigt dich zum Wachstum in Liebe.“ – Das hat Macht denke ich. Und ich verlasse den Gottesdienst beschwingt und irgendwie auch ein bisschen neidisch auf diese kirchliche Gemeinschaft, die so freimütig verfestigte kirchliche Traditionen aufbricht.

 

© Nordelbische 2010

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© Mopo

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© Spiegel

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hinnerk - Februar 2003

 

 

Eine Kirche für alle

Die „Metropolitan Community Church" in neuen Räumen

Neue Heimat für homosexuelle Gläubige: Die MCC-Basisgemeinde .Hamburg trifft sich ab sofort in ihren Räumen am Steindamm 87. Jeden Sonntag findet dort um 18 Uhr ein Gottesdienst für Schwule und Lesben statt.

Christlicher Glaube und die Liebe zum eigenen Geschlecht - das passt für viele nicht zusammen. Viele Mitglieder der „Metropolitan Community Church" (MCC) hatten diese Erfahrung hinter sich - sei es, dass sie direkt aufgefordert wurden, ihre Gemeinde zu verlassen, sei es, dass sie ein Doppelleben in der Kirche dauerhaft nicht aushalten wollten. „Die MCC ist vor allem entstanden, weil viele Schwierigkeiten in den Kirchen hatten", erzählt Thomas Friedhoff, selbst evangelischer Theologe. „Da hat es mit der Zeit einen Wandel gegeben: Heute kommen mehr Leute zu uns, die hier ihre ersten religiösen Erfahrungen machen."

Friedhoff führt dies auf eine „Sehnsucht nach Spiritualität" zurück. In unsteten Zeiten ist der Glaube für viele Menschen ein Halt. „Wir bieten außerdem einen geschützten Rahmen", so Friedhoff. Die Mitglieder und Gottesdienst-Besucher schätzten Austausch und Gebet, „ansonsten sind wir eine ganz normale Freikirche." Eine, die sich durch ein bunteres, familiäreres Gemeindeleben von der herkömmmlichen Kirche unterscheide, so Friedhoff. „Natürlich hat auch das Thema Sexualität bei uns einen anderen Stellenwert."

Rund 100 Personen fühlen sich in Hamburg der MCC verbunden. Zwischen 20 und 35 Besucher werden beim sonntäglichen Gottesdienst gezählt, 12 Personen predigen und verfolgen dabei die Idee des „Priestertums aller Gläubigen". „Niemand muss ordiniert sein, um bei uns einen Gottesdienst abzuhalten", erklärt Friedhoff. Die MCC bietet spezielle Kurse an, die Interessenten entsprechend befähigt. Außerdem gibt es vertiefende Seminare, etwa zum Thema „Sexualität und Bibel".

Im Gottesdienst selbst finden sich viele liturgische Standards: Predigt, Fürbitte, Abendmahl - Elemente, die jeder kennt, der christliche Gottesdienste besucht hat. Auf Kirchentagen oder beim CSD ist die MCC ebenfalls präsent, mit positiver Resonanz. „Da gibt es viele interessante Begegnungen und häufig auch wohlwollende Reaktionen", so Friedhoff. „Viele Menschen sind auf der Suche."

© hinnerk

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Die Gemeinde

(Zeitschrift des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden – Baptisten, in Deutschland) - 2001

 

Bis heute: Ein frommer Radikaler

Ein ehemaliger Baptist leitet eine Kirche „nicht nur für Lesben und Schwule"

Über die Liebe zwischen Männern sagt die Bibel nichts. Davon ist Thomas Friedhoff aus Hamburg überzeugt. Für ihn war es ein langer Weg, bis er zu dieser Überzeugung gelangte und ein Ja zu seiner eigenen homosexuellen Prägung fand. Immerhin war Thomas Friedhoff nicht nur verheiratet, sondern er war auch Pastor unseres Bundes. Heute arbeitet er immer noch als Pastor, nämlich in der Metropolitan Community Church (MCC) in Hamburg. Dabei handelt es sich um „eine Kirche nicht nur für Lesben und Schwule". Doch die meisten der rund 100 Mitglieder sind homosexuell. Diese Kirche hat kein eigenes Zentrum, sondern versammelt sich zum Gottesdienst im CVJM-Haus im Stadtzentrum. Er arbeitet im Büro von „Prävention", einer Beratungsstelle zur Verhinderung der Immunschwäche Aids, als Sozialarbeiter und Berater.

Mit 15 Jahren wird Thomas Friedhoff Christ. Er gehört zur Jesus-People-Bewegung. Er erlebt eine tiefe Bekehrung. „Das war keine Wundergeschichte", erläutert er. Andere hätten damals große Erfahrungen mit Gott gemacht und dabei etwa die Befreiung von Drogen- und Alkoholsüchten erlebt. 1972 lässt er sich in der Gemeinde Hannover-Walderseestraße taufen. Er gilt als Radikaler. Dass Jesus bald wiederkommt, ist für ihn sonnenklar. Deshalb gibt es für ihn nichts wichtigeres als die Gemeinde. Er will Pastor werden. Alles läuft glatt. Er wird am Theologischen Seminar unseres Bundes aufgenommen. Anfang der 80er Jahre macht er sein Examen. Zwischenzeitlich heiratet er. Er liebt seine Frau, doch innerlich gibt es eine Sperre. „Ich musste feststellen, dass ich mit meiner Sexualität in einer Sackgasse gelandet war. Das war für alle Beteiligten kein Vergnügen", sagt er heute.

Später verliebt er sich in einen Mann - landet mit ihm im Bett und entdeckt, welch eine Erfüllung Sexualität vermitteln kann. Die Folge: Er trennt sich von seiner Frau. Auch beruflich muss er sich neu orientieren. Nach seinem Coming-out als Homosexueller hat er keine Zukunft als Baptistenpastor. Den Beruf hat er damals noch nicht ausgeübt, da er nach seinem Examen zunächst seinen Zivildienst in der J.-G.-Oncken-Gemeinde Hamburg-Grindelallee leistet.

Eigentlich hätte er seine homosexuelle Orientierung schon früher feststellen können, räumt Thomas Friedhoff heute ein. Er hatte sich als Teenager in Mitschüler verliebt, doch das Gefühl nicht zugelassen, „weil ich so radikal fromm war". Er war davon überzeugt, dass man als Christ nicht schwul sein konnte und durfte. Doch nach seinem Coming-out machte er eine ungewöhnliche Erfahrung. Er hat seinen Glauben an Gott nicht verloren. Im Gegenteil. „Ich wusste, Gott hat mich in dieser Phase durchgetragen", erläutert er. Er hatte plötzlich kein schlechtes Gewissen wegen seiner sexuellen Prägung. Als Theologe wollte er seiner neuen Erkenntnis auch theologisch auf den Grund gehen. Seine Entdeckung: Alles ist eine Frage des Schriftverständnisses. Wer von einer wörtlichen Inspiration der Bibel ausgeht, für den ist klar, dass Homosexualität Sünde ist. Wer aber nach dem Sinn dieser Stellen fragt, der wird feststellen, so Thomas Friedhoff, dass von homosexuellem Missbrauch die Rede sei oder von Tempelprostitution.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Baptismus hält sich Thomas Friedhoff zu einem Homosexuellen-Netzwerk in Hamburg. Die Erfahrungen, die er dort macht, ähneln denen, die er als Homosexueller in Baptistengemeinden gemacht hat, „nur umgekehrt: Die Schwulen und Lesben verstehen nicht, warum ich immer noch Christ bin". Ungezwungen spricht er darüber, dass er doch seinen Glauben an Jesus Christus nicht verloren hat. Und er ist überrascht, dass er plötzlich viele Menschen kennen lernt, die ähnlich denken wie er - sich aber nicht trauen, darüber zu sprechen. Zusammen mit diesen Gleichgesinnten gründete er die MCC. Diese Kirche war 1968 in den USA von einem ehemaligen Pfingstpastor gegründet worden, der wegen seiner Homosexualität aus seiner Kirche ausgeschlossen worden war. Heute gibt es 300 Gemeinden in 18 Ländern. Ihre Mitglieder setzen bewusst auf Toleranz. Verschiedene Frömmigkeitsstile werden integriert. Die Gläubigentaufe ist ebenso selbstverständlich wie die Kindertaufe.

Und wie denkt der MCC-Pastor über die evangelikale Position, dass man durch die Kraft des Glaubens Befreiung von seiner Homosexualität finden kann? Er stellt solche Erfahrungen nicht in Abrede. Doch er fragt nach ihrem Sinn. „Wozu sollten Menschen die Liebesfähigkeit, mit der Gott sie ausgestattet hat, verbiegen?" Menschen, die das versuchen, seien oft sehr mit sich selbst beschäftigt und lebten kein ansteckendes Christsein: „Sie verschleißen sich im Kampf gegen sich selbst."

Er weiß, dass es unter den Betroffenen eine „ganz erhebliche Rückfallquote gibt". Seine Gemeinde versteht sich als missionarisch. Sie will gezielt Homosexuelle für Jesus Christus gewinnen. Viele, so die Erfahrung von Thomas Friedhoff aus der Seelsorge, saugten das Evangelium auf wie ein trockener Schwamm.

Klaus Rösler

 

© Die Gemeinde

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hinnerk - Oktober 1996

Selbst ihr Gott ist androgyn

“Oh Gott, meine Freundin, Du begleitest mich auf meinem Weg." Vielstimmig klingt die Liedzeile durch den hohen, mit Stuck verzierten Raum. Ein Tisch steht in der Mitte, liebevoll hergerichtet, jedoch etwas spartanisch geschmückt. Ringsum sind Stühle aufgestellt, die Gemeindemitglieder folgen der Zeremonie teils fröhlich, teils ernsthaft. Der Gottesdienst der Metropolitan Community Church scheint sich nicht von dem anderer Freikirchen zu unterscheiden. Gut, ein Kruzifix ist nicht zu entdecken, aber selbst in bayerischen Klassenzimmern ist ja mittlerweile konstruktiver Unterricht ohne den Wurzelsepp möglich. Nein, der Unterschied besteht lediglich darin, daß es sich bei den Mitgliedern fast ausschließlich um Schwule und Lesben handelt.

1968 wurde die MCC von einem schwulen Pastor gegründet, der aus seiner eigenen Kirche aufgrund seiner Homosexualität ausgeschlossen worden war. Seit 1988 gibt es auch einen Hamburger "Ableger". Die Idee der Gemeinschaft besteht darin, eine für alle Menschen offene Kirche anzubieten, die nicht diskriminiert, und die keinen Wert auf eine bestimmte sexuelle Orientierung legt. Für einige Mitglieder ist es so der erste Umgang mit einer Kirche überhaupt, viele jedoch kehrten den etablierten und den freien Kirchen aus Enttäuschung den Rücken, oder wurden regelrecht herausgeworfen. Jürgen beispielsweise wurde von der Neuapostolischen Kirche seiner Ämter enthoben, damit er "seine Mitbrüder nicht mit seinem gottlosen Wesen verseuche". Die MCC erlaubt einen kirchlichen (Neu-)Anfang. "Hier ist es möglich, die eigene Energie ganz auf den Glauben, auf Gott und auf ein positives Miteinander zu konzentrieren" meint Thomas Friedhoff, der Pastor der Gemeinde. Jesus steht im Vordergrund, nicht der Kampf um Verständnis für die eigene Homosexualität, keine Rechtfertigungsarien, und, Gott sei Dank, kein gütiger Zuspruch mehr, man werde das Problem mit etwas gutem Willen und gemeinsamen Gebet schon wieder in den Griff bekommen.

Die Position der Bibel zum Thema Homosexualität scheint eindeutig: "Macht Euch nichts vor! Menschen, die mit Partnern aus dem eigenen Geschlecht verkehren.... werden nicht in Gottes neue Welt kommen." (1.Kor. 6, 9+10) Thomas sieht das etwas anders: Für ihn ist die Bibel nicht das Wort Gottes. Sie sei von Menschen geschrieben, die Gott sicherlich nahestanden, die jedoch auch ihrem gesellschaftlichen Umfeld verpflichtet waren. Bei der Interpretation müsse deshalb der geschichtliche Kontext berücksichtigt werden. Thomas geht sogar noch einen Schritt weiter: "Ich glaube, daß Homosexualität Gott-gewollt ist." Schwule und lesbische Beziehungen könnten etwa heterosexuelle Rollenklischees überwinden und andere Formen menschlichen Zusammenlebens aufzeigen.

Der Gott der MCC ist ein liebender Gott, der Gott des Evangeliums: "Durch Jesus Christus, unseren Herrn, hat Gott uns seine Liebe geschenkt. Darum gibt es in der ganzen Welt nichts, was uns jemals von Gottes Liebe trennen kann." (Röm 8,39) C'est ca! - Regeln und Vorschriften sind zweitrangig. Ob man schwul ist oder hetero, ob man monogam lebt oder in der Promiskuität seine Erfüllung findet, ist völlig egal. Und wenn sich Grenzen verwischen, was spielt es dann noch für eine Rolle, ob Gott männlich ist oder weiblich ist oder...

Peter Roether

 

© hinnerk

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Magnus - Februar 1996

 

Freiheit grenzenlos

MCC – die Hamburger Schwulen- und Lesbenkirche

Etwas aufgeregt war Thomas Friedhoff schon, als er zum Pastor der Hamburger Gemeinde der Metropolitan Community Church (MCC) ordiniert wurde. Hinter dem Namen verbirgt sich keine Sekte, sondern ein ökumenischer, weltweiter Zusammenschluß von Schwulen und Lesben.

Die Anerkennung und Kooperationen mit anderen Kirchen sei jedoch eher selten und schwierig: Mitglied des Genfer Weltkirchenrates, konnte die „Weltkirche MCC" durch den Einspruch orthodoxer Kirchen nicht werden, immerhin wurde ihr der Beobachterstatus zugestanden. Regional sind die Probleme ähnlich: Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACKH) lehnte das Aufnahmebegehren der MCC glatt ab.

Zugehörigkeit zu einer Minderheit rechtfertigt keine kirchliche und theologische Eigenständigkeit", so ACKH-Geschäftsführer Ingo Lembke. Doch persönlich ist er der Meinung, daß „die Existenz dieser Gemeinde Wunde der anderen Kirchen" sei, weil sie die Ausgrenzung Homosexueller deutlich mache.

„Ich weiß, daß homosexuelle Frauen und Männer gewisse Beschwernis in unserer Kirche haben, da unsere traditionelle Bibelauslegung jede Form der Homosexualität als Sünde ausgelegt hat", bestätigt Hamburgs lutherische Bischöfin Maria Jepsen. Bewußt geworden sei ihr, daß Homosexuelle sich in den Volkskirchen ausgegrenzt fühlen, „manchmal" toleriert, manchmal als Seelsorgeobjekte gesehen werden. Jepsen weiter: „Daß die MCC in dieser Situation gegründet wurde - übrigens nicht bei uns in Deutschland - ist verständlich. Aus römisch-katholischer Sicht kommentiert Hamburgs Weihbischof H.-Jochen Jaschke: „Eine eigene kirchliche Gruppe wie die MCC ist aus meiner Sicht nicht das Richtige." Doch er schließt mit guten Wünschen: „Aber ich wünsche allen Christenmenschen, auch in der MCC und dem neuen Pastor, die Erfahrung, daß es Gott gut mit ihnen meint."

 Doch nicht immer gut waren die Zeiten für Thomas Friedhoff: Als nach dem Theologiestudium die Einsegnung anstand und er sich zu seinem Schwulsein bekannte, da wollte seine baptistische Gemeinde „schweren Herzens" lieber auf ihn verzichten. Der in Hannover geborene Friedhoff kündigte selbst - und ging. Seine Ehe und Freundschaften zerbrachen: „Es war eine üble Zeit!" Er blieb in der Hansestadt und verdiente als Altenpfleger, Graphiker und schließlich als Leiter der Beratungsstelle des Magnus-Hirschfeld-Centrums sein Brot. Heute wirkt er 20stündig als Koordinator für den schwulen Infoladen „Hein & Fiete" und in der verbleibenden Zeit nicht nur für die 100 Hamburger MCC-Gemeindemitglieder als Seelsorger: Der 39jährige ist auch für die Filialgemeinden in Köln und Frankfurt am Main mitverantwortlich. Aufgaben hat er genug: Gottesdienste, Seelsorge, Beerdigungen und manchmal eine Partnerschaftssegnung. „Wir hätten locker zu einer Hochzeitskirche werden können", so der Geistliche. Im Schnitt erhält er wöchentlich aus dem ganzen Bundesgebiet zwei Anfragen. Doch der Hinweis, daß es sich um öffentliche Gottesdienste handle, schreckt die meisten ab.

Für die Zukunft wünscht er seiner Gemeinde einen stärkeren Frauenanteil, denn die Männer sind - für andere Kirchen ungewöhnlich - in der Mehrzahl. Wie andere Pfarrerinnen und Pfarrer klagt er, daß er mehr Zeit für seine Arbeit brauchte. Freut sich dennoch über seine Berufung: „Die Gemeindearbeit ist vielfältig, aufregend und bunt!"

Miguel-Pascal Schaar

 

© Magnus

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Idea Spektrum - Oktober 1993

 

„Kirche (nicht nur) für Lesben und Schwule"

CVJM-Leitung distanziert sich von Homosexuellen-Kirche in CVJM-Haus

Auf scharfe Ablehnung in der Leitung des CVJM-Gesamtverbandes stößt die Aufnahme einer Homosexuellen-Kirche im CVJM-Haus in Hamburg-St.Georg. CVJM-Generalsekretär Ulrich Parzany (Kassel) sagte während der CVJM-Delegierten Versammlung gegenüber idea, er finde es „völlig falsch und unangemessen", daß diese CVJM-Gruppe der Metropolitan Community Church (MCC) - einer nach eigenen Angaben „Kirche (nicht nur) für Lesben und Schwule" - Räume für deren Gottesdienste vermiete. Die „Basisgemeinde" der MCC will dort auch vom 29. bis 31. Oktober ihr fünfjähriges Bestehen feiern. Parzany sagte, er distanziere sich völlig von diesem Vorhaben. In einer Pressemitteilung der MCC Hamburg heißt es, in den vergangenen fünf Jahren hätten „hunderte von Lesben und Schwulen" dort ein „kunterbuntes Gemeindeleben" entwickelt. Die 1968 in den USA gegründete MCC zählt weltweit rund 40.000 Mitglieder in 260 Gemeinden. In Deutschland ist sie in Hamburg und Münster vertreten.

Unterdessen hat sich der Vorsitzende des bayerischen CVJM-Landesverbandes, Hermann Sörgel (Lauf bei Nürnberg), dagegen ausgesprochen, kritische Aussagen der Bibel zur Homosexualität so „zurechtzubiegen", daß sie mit den gerade gängigen Moralvorstellungen übereinstimmten. Dann lasse sich alles in die Bibel hineinlesen, sagte er bei einer Veranstaltung in Fürth. Homosexuelle sollten in christlichen Gemeinden nicht ausgegrenzt werden. Als Mitarbeiter dürften sie aber nur dann tätig sein, wenn sie sexuell enthaltsam lebten.

 

© Idea Spektrum

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taz - 08. Februar 1992

 

Kirche für Lesben und Schwule im CVJM

„Gott liebt Schwule genauso wie Heteros", lobpreisen die Gastgeber / CVJM-Zentrale wirft den Hamburgern mit der „biblischen Botschaft gegen Homosexualität" einen Fehdehandschuh vor die Füße

Die Hamburger „Kirche für Lesben und Schwule" feiert seit letztem Sonntag ihre Gottesdienste in den Räumen des Christlichen Vereins junger Menschen (CVJM) an der Alster. Die Homosexuellen-Gemeinde mit ihren 80 Schäfchen wurde 1988 von dem ehemaligen Baptisten-Pastor Thomas Friedhoff (35) ins Leben gerufen – als Antwort auf die Ausgrenzung der großen Kirchen. Sie ist die einzige deutsche Niederlassung der „Metropolitan Community Church" (MCC), die 1968 in den USA gegründet wurde. Weltweit zählt sie 40000 Mitglieder in 260 Gemeinden.

„Wir möchten Lesben und Schwule mit der befreienden guten Nachricht von Jesus Christus vertraut machen", definiert Friedhoff sein Anliegen. Damit die Nachrichtenverbindung zu den etwa 160000 in Hamburg lebenden Homosexuellen zustande kommt, will seine Kirche so dicht wie möglich bei ihren potentiellen Schäfchen sein - im Stadtteil St. Georg, wo sich das schwullesbische Leben schwerpunktmäßig abspiele. Deshalb ist sie aus ihren bisherigen Räumlichkeiten im Winterhuder „Magnus-Hirschfeld-Centrum" ausgezogen.

Für die schwullesbische Mission stellte der Christliche Verein junger Menschen sein Haus an der Alster aus freien Stücken zur Verfügung. „Ich glaube, daß Gott Schwule genauso liebt wie Heteros", begründete CVJM-Geschäftsführer Frank Tofern (35) die Entscheidung. Kirchliche Repressalien gegenüber homosexuellen Menschen seien „durch nichts zu rechtfertigen". Gleichgeschlechtlich Liebende, die die MCC-Gottesdienste besuchen, gibt es nach seinen Werten auch im CVJM.

Auf Unverständnis stieß die frohe Botschaft 300 Kilometer weiter südlich beim CVJM-Gesamtverband in Kassel. „Wir wissen uns der biblischen Botschaft verpflichtet und betrachten deswegen Homosexualität als Fehlentwicklung", erklärte Pressesprecher Reinhart Weiss. Wie Erfahrungen zeigten, könne Homosexuellen geholfen werden, indem man sie „behutsam von ihrer Neigung abbringt".

Wenn der sexualpädagogische Zeigefinger nicht mehr ausreicht, droht die CVJM-Zentrale mit der Peitsche. Sie fordert, offen homosexuell lebende Christen dürften nicht als Beschäftigte im CVJM angestellt werden. Das verriet Klaus Martin Janssen, Bundessekretär des CVJM-Nordbundes in Hamburg.

Einem Konflikt angesichts dieser Gegenpositionen sehen die CVJM-Nordlichter „mit Gelassenheit entgegen", so ihr Geschäftsführer Frank Tofern. Der CVJM Hamburg sei als eingetragener Verein „finanziell und organisatorisch unabhängig".

Uwe Birnstein/epd

 

© taz

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© Bild 1988

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