Logo_MCC-Hamburg

MCC Hamburg
Die Kirche (nicht nur) für Lesben und Schwule

ribbon_auf_blau_o
Logo_MCC-Hamburg

Home | Über uns | Termine | Schaufenster | Interaktiv | Spenden | Kontakt |

ribbon_auf_grau_u

Was es über uns zu berichten gibt...

Überblick

 

 

Das sagen die anderen über uns...

 

Auf den folgenden Seiten kannst du in verschiedenen Zeitschriftenartikeln und dabei in der mehr als 15-jährigen Geschichte der MCC Hamburg schmökern.

Die Artikel spiegeln auf interessante Weise wider wie wir - die Kirche (nicht nur) für Lesben und Schwule - von der Öffentlichkeit gesehen werden.

Es ist spannend zu entdecken, wie andere uns sehen, und das damit zu vergleichen, wie wir uns selbst darstellen.

Aber um herauszufinden, wie wir wirklich sind, musst du uns dann doch selber kennen lernen. Denn Kirche ist: Ich - Du - Wir!

 

Die Nordelbische - September 2009

Nordelbische_2009.09

Morgenpost - August 2009

Mopo-08-2009

Bild.Zeitung - September 1988

erster Ausschnitt aus der Bild-Zeitung

 

 

 

 

 

 

 

zweiter Ausschnitt aus der Bild-Zeitung

 

Hamburger Morgenpost - Juni 1993

Mopo-93-06

 

Der Spiegel - Juli 1995

Spiegel-95-07kl

 

Weitere Artikel im Wortlaut...

1992 Februar - taz - Kirche für Lesben und Schwule im CVJM

1993 Oktober - Idea Spektrum - Kirche (nicht nur) für Schwule und Lesben

1993 November - hinnerk - Schwule Ehe vor Gott schon möglich

1996 Februar - Magnus - Freiheit grenzenlos

1996 Oktober - hinnerk - Selbst ihr Gott ist androgyn

1998 Juli - Queer - CSD-Kontraste

2000 Oktober - RIK (Raus in Köln) - Das "Ja" Gottes auch für Schwule erleben

2001 - Die Gemeinde - Bis heute: Ein frommer Radikaler

2003 Februar - hinnerk - Eine Kirche für alle

 

 

taz - 08. Februar 1992

Kirche für Lesben und Schwule im CVJM

„Gott liebt Schwule genauso wie Heteros", lobpreisen die Gastgeber / CVJM-Zentrale wirft den Hamburgern mit der „biblischen Botschaft gegen Homosexualität" einen Fehdehandschuh vor die Füße

Die Hamburger „Kirche für Lesben und Schwule" feiert seit letztem Sonntag ihre Gottesdienste in den Räumen des Christlichen Vereins junger Menschen (CVJM) an der Alster. Die Homosexuellen-Gemeinde mit ihren 80 Schäfchen wurde 1988 von dem ehemaligen Baptisten-Pastor Thomas Friedhoff (35) ins Leben gerufen – als Antwort auf die Ausgrenzung der großen Kirchen. Sie ist die einzige deutsche Niederlassung der „Metropolitan Community Church" (MCC), die 1968 in den USA gegründet wurde. Weltweit zählt sie 40000 Mitglieder in 260 Gemeinden.

„Wir möchten Lesben und Schwule mit der befreienden guten Nachricht von Jesus Christus vertraut machen", definiert Friedhoff sein Anliegen. Damit die Nachrichtenverbindung zu den etwa 160000 in Hamburg lebenden Homosexuellen zustande kommt, will seine Kirche so dicht wie möglich bei ihren potentiellen Schäfchen sein - im Stadtteil St. Georg, wo sich das schwullesbische Leben schwerpunktmäßig abspiele. Deshalb ist sie aus ihren bisherigen Räumlichkeiten im Winterhuder „Magnus-Hirschfeld-Centrum" ausgezogen.

Für die schwullesbische Mission stellte der Christliche Verein junger Menschen sein Haus an der Alster aus freien Stücken zur Verfügung. „Ich glaube, daß Gott Schwule genauso liebt wie Heteros", begründete CVJM-Geschäftsführer Frank Tofern (35) die Entscheidung. Kirchliche Repressalien gegenüber homosexuellen Menschen seien „durch nichts zu rechtfertigen". Gleichgeschlechtlich Liebende, die die MCC-Gottesdienste besuchen, gibt es nach seinen Werten auch im CVJM.

Auf Unverständnis stieß die frohe Botschaft 300 Kilometer weiter südlich beim CVJM-Gesamtverband in Kassel. „Wir wissen uns der biblischen Botschaft verpflichtet und betrachten deswegen Homosexualität als Fehlentwicklung", erklärte Pressesprecher Reinhart Weiss. Wie Erfahrungen zeigten, könne Homosexuellen geholfen werden, indem man sie „behutsam von ihrer Neigung abbringt".

Wenn der sexualpädagogische Zeigefinger nicht mehr ausreicht, droht die CVJM-Zentrale mit der Peitsche. Sie fordert, offen homosexuell lebende Christen dürften nicht als Beschäftigte im CVJM angestellt werden. Das verriet Klaus Martin Janssen, Bundessekretär des CVJM-Nordbundes in Hamburg.

Einem Konflikt angesichts dieser Gegenpositionen sehen die CVJM-Nordlichter „mit Gelassenheit entgegen", so ihr Geschäftsführer Frank Tofern. Der CVJM Hamburg sei als eingetragener Verein „finanziell und organisatorisch unabhängig".

Uwe Birnstein/epd

arrow_up Artikel-Übersicht
 

 

Idea Spektrum - Oktober 1993

„Kirche (nicht nur) für Lesben und Schwule"

CVJM-Leitung distanziert sich von Homosexuellen-Kirche in CVJM-Haus

Auf scharfe Ablehnung in der Leitung des CVJM-Gesamtverbandes stößt die Aufnahme einer Homosexuellen-Kirche im CVJM-Haus in Hamburg-St.Georg. CVJM-Generalsekretär Ulrich Parzany (Kassel) sagte während der CVJM-Delegierten Versammlung gegenüber idea, er finde es „völlig falsch und unangemessen", daß diese CVJM-Gruppe der Metropolitan Community Church (MCC) - einer nach eigenen Angaben „Kirche (nicht nur) für Lesben und Schwule" - Räume für deren Gottesdienste vermiete. Die „Basisgemeinde" der MCC will dort auch vom 29. bis 31. Oktober ihr fünfjähriges Bestehen feiern. Parzany sagte, er distanziere sich völlig von diesem Vorhaben. In einer Pressemitteilung der MCC Hamburg heißt es, in den vergangenen fünf Jahren hätten „hunderte von Lesben und Schwulen" dort ein „kunterbuntes Gemeindeleben" entwickelt. Die 1968 in den USA gegründete MCC zählt weltweit rund 40.000 Mitglieder in 260 Gemeinden. In Deutschland ist sie in Hamburg und Münster vertreten.

Unterdessen hat sich der Vorsitzende des bayerischen CVJM-Landesverbandes, Hermann Sörgel (Lauf bei Nürnberg), dagegen ausgesprochen, kritische Aussagen der Bibel zur Homosexualität so „zurechtzubiegen", daß sie mit den gerade gängigen Moralvorstellungen übereinstimmten. Dann lasse sich alles in die Bibel hineinlesen, sagte er bei einer Veranstaltung in Fürth. Homosexuelle sollten in christlichen Gemeinden nicht ausgegrenzt werden. Als Mitarbeiter dürften sie aber nur dann tätig sein, wenn sie sexuell enthaltsam lebten.

arrow_up Artikel-Übersicht
 

 

hinnerk - November 1993

Schwule Ehe vor Gott schon möglich

MCC-Hamburg – eine Kirche für Homosexuelle ist fünf geworden

Trotz der vielen Unkenrufe gründete Pastor Thomas Friedhoff gemeinsam mit Freunden vor fünf Jahren eine kleine kirchliche Gemeinde. Mit Stolz können sie jetzt auf eine lebendige Gemeinschaft mit 100 Seelen  blicken. Anlaß für die Gründung der neuen Konfession in der Zeit der Kirchenaustritte war die Tatsache, daß sich bis 1988 Christsein und homosexuelles Leben in Hamburg nicht vereinbaren ließen.

Die Gemeindeglieder wollen eines Tages als souveräne Kirche anerkannt werden, doch ebenso wollen sie in den etablierten Konfessionen etwas bewegen. Das ist auch im Sinne der weltweiten Organisation der Metropolitan Community Church (MCC), der sich die Hamburger Gemeinde anschloß - lange Zeit als einzige Gemeinde in Deutschland. Erst in jüngerer Zeit hat sich auch in Frankfurt/Main eine Gruppe zusammengefunden. Die MCC versteht sich nicht als kirchliche Hierarchie. Sie ist vielmehr ein Zusammenschluß unabhängiger Gemeinden. Daher stehen die hiesigen Gemeindeglieder nicht repräsentativ für „die homosexuelle Kirche" mit einem allgemeingültigen Dogma, sondern leben nach ihren Vorstellungen. Pastor Thomas Friedhoff richtet sich nach den Wünschen, die alle einbringen können. Mit einer drittel Stelle, die von den Mitgliedern auf freiwilliger Basis bezahlt wird, betreut er die Gemeinde.

Aber nicht nur sie. Der Theologe kümmert sich um alle, die ihn um Hilfe bitten. Oft kommt es zum Beispiel vor, daß sich Aidskranke bei ihm melden, weil sie seelsorgerischen Beistand wünschen, bei anderen Pastoren jedoch Vorurteile fürchten. Dieser Dienst, über den Thomas Friedhoff froh ist, war nicht geplant. Er hat sich aus der Sache heraus ergeben, so wie die vielen Gruppen, die sich mittlerweile gebildet haben. Außer Gesprächs- Meditations- und Bibelkreisen gibt es Arbeitsgruppen zur Ökumene, zum Öffentlichkeitsdienst und zur Frauenarbeit. Für all diese Aktivitäten mußten Räume her, die im Gebäude des CVJM an der Alster gemietet wurden. Dort findet auch der sonntägliche Gottesdienst statt. Etwas provisorisch sehen der Altar, ein Tisch mit zwei Kerzen, und das Abendmahlsgeschirr schon aus. Aber es geht vielmehr um die Gemeinschaft, um das Christsein unbeachtet der sexuellen Orientierung in einem Gottesdienst leben zu können und in das Privatleben mitzunehmen.

Gleichgeschlechtliche Paare können in der kleinen Gemeinde auch heiraten. Natürlich werden keine Ehen mit rechtlicher Grundlage geschlossen, denn diese Forderung ist jetzt ja im ersten Anlauf selbst vom Bundesverfassungsgericht verworfen worden. Die MCC nennt es „Partnerschaftssegnung", bei der keine Richtlinien gepredigt werden, nach denen das Paar seine Beziehung zu gestalten hat.

Wie zur Zeit jede andere Kirche bedauert auch die Gemeinde an der Alster, daß sich zu wenige längerfristig engagieren wollen. Seit längerem versucht die Kirche, in den lokalen Kirchenbund aufgenommen zu werden. Doch von den dreißig Hamburger Mitgliedskirchen braucht nur eine gegen die Aufnahme zu sein, um eine positive Entscheidung zu kippen. Da es keine wesentlichen theologischen Unterschiede gibt und sich die MCC Hamburg selbst als kirchliche Mitte betrachtet, müssen es andere Gründe sein, weshalb eine Aufnahme in den Kirchenbund bisher gescheitert ist. Im Weltkirchenbund ist die MCC schon Mitglied, allerdings ohne Stimmrecht. Sie hat lediglich Beobachterstatus. Nicht mehr nur Duldung, Anerkennung heißt ihr Ziel.

Remmer Koch

arrow_up Artikel-Übersicht
 

 

Magnus - Februar 1996

Freiheit grenzenlos

MCC – die Hamburger Schwulen- und Lesbenkirche

Etwas aufgeregt war Thomas Friedhoff schon, als er zum Pastor der Hamburger Gemeinde der Metropolitan Community Church (MCC) ordiniert wurde. Hinter dem Namen verbirgt sich keine Sekte, sondern ein ökumenischer, weltweiter Zusammenschluß von Schwulen und Lesben.

Die Anerkennung und Kooperationen mit anderen Kirchen sei jedoch eher selten und schwierig: Mitglied des Genfer Weltkirchenrates, konnte die „Weltkirche MCC" durch den Einspruch orthodoxer Kirchen nicht werden, immerhin wurde ihr der Beobachterstatus zugestanden. Regional sind die Probleme ähnlich: Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACKH) lehnte das Aufnahmebegehren der MCC glatt ab.

Zugehörigkeit zu einer Minderheit rechtfertigt keine kirchliche und theologische Eigenständigkeit", so ACKH-Geschäftsführer Ingo Lembke. Doch persönlich ist er der Meinung, daß „die Existenz dieser Gemeinde Wunde der anderen Kirchen" sei, weil sie die Ausgrenzung Homosexueller deutlich mache.

„Ich weiß, daß homosexuelle Frauen und Männer gewisse Beschwernis in unserer Kirche haben, da unsere traditionelle Bibelauslegung jede Form der Homosexualität als Sünde ausgelegt hat", bestätigt Hamburgs lutherische Bischöfin Maria Jepsen. Bewußt geworden sei ihr, daß Homosexuelle sich in den Volkskirchen ausgegrenzt fühlen, „manchmal" toleriert, manchmal als Seelsorgeobjekte gesehen werden. Jepsen weiter: „Daß die MCC in dieser Situation gegründet wurde - übrigens nicht bei uns in Deutschland - ist verständlich. Aus römisch-katholischer Sicht kommentiert Hamburgs Weihbischof H.-Jochen Jaschke: „Eine eigene kirchliche Gruppe wie die MCC ist aus meiner Sicht nicht das Richtige." Doch er schließt mit guten Wünschen: „Aber ich wünsche allen Christenmenschen, auch in der MCC und dem neuen Pastor, die Erfahrung, daß es Gott gut mit ihnen meint."

Doch nicht immer gut waren die Zeiten für Thomas Friedhoff: Als nach dem Theologiestudium die Einsegnung anstand und er sich zu seinem Schwulsein bekannte, da wollte seine baptistische Gemeinde „schweren Herzens" lieber auf ihn verzichten. Der in Hannover geborene Friedhoff kündigte selbst - und ging. Seine Ehe und Freundschaften zerbrachen: „Es war eine üble Zeit!" Er blieb in der Hansestadt und verdiente als Altenpfleger, Graphiker und schließlich als Leiter der Beratungsstelle des Magnus-Hirschfeld-Centrums sein Brot. Heute wirkt er 20stündig als Koordinator für den schwulen Infoladen „Hein & Fiete" und in der verbleibenden Zeit nicht nur für die 100 Hamburger MCC-Gemeindemitglieder als Seelsorger: Der 39jährige ist auch für die Filialgemeinden in Köln und Frankfurt am Main mitverantwortlich. Aufgaben hat er genug: Gottesdienste, Seelsorge, Beerdigungen und manchmal eine Partnerschaftssegnung. „Wir hätten locker zu einer Hochzeitskirche werden können", so der Geistliche. Im Schnitt erhält er wöchentlich aus dem ganzen Bundesgebiet zwei Anfragen. Doch der Hinweis, daß es sich um öffentliche Gottesdienste handle, schreckt die meisten ab.

Für die Zukunft wünscht er seiner Gemeinde einen stärkeren Frauenanteil, denn die Männer sind - für andere Kirchen ungewöhnlich - in der Mehrzahl. Wie andere Pfarrerinnen und Pfarrer klagt er, daß er mehr Zeit für seine Arbeit brauchte. Freut sich dennoch über seine Berufung: „Die Gemeindearbeit ist vielfältig, aufregend und bunt!"

Miguel-Pascal Schaar

arrow_up Artikel-Übersicht
 

 

hinnerk - Oktober 1996

Selbst ihr Gott ist androgyn

“Oh Gott, meine Freundin, Du begleitest mich auf meinem Weg." Vielstimmig klingt die Liedzeile durch den hohen, mit Stuck verzierten Raum. Ein Tisch steht in der Mitte, liebevoll hergerichtet, jedoch etwas spartanisch geschmückt. Ringsum sind Stühle aufgestellt, die Gemeindemitglieder folgen der Zeremonie teils fröhlich, teils ernsthaft. Der Gottesdienst der Metropolitan Community Church scheint sich nicht von dem anderer Freikirchen zu unterscheiden. Gut, ein Kruzifix ist nicht zu entdecken, aber selbst in bayerischen Klassenzimmern ist ja mittlerweile konstruktiver Unterricht ohne den Wurzelsepp möglich. Nein, der Unterschied besteht lediglich darin, daß es sich bei den Mitgliedern fast ausschließlich um Schwule und Lesben handelt.

1968 wurde die MCC von einem schwulen Pastor gegründet, der aus seiner eigenen Kirche aufgrund seiner Homosexualität ausgeschlossen worden war. Seit 1988 gibt es auch einen Hamburger "Ableger". Die Idee der Gemeinschaft besteht darin, eine für alle Menschen offene Kirche anzubieten, die nicht diskriminiert, und die keinen Wert auf eine bestimmte sexuelle Orientierung legt. Für einige Mitglieder ist es so der erste Umgang mit einer Kirche überhaupt, viele jedoch kehrten den etablierten und den freien Kirchen aus Enttäuschung den Rücken, oder wurden regelrecht herausgeworfen. Jürgen beispielsweise wurde von der Neuapostolischen Kirche seiner Ämter enthoben, damit er "seine Mitbrüder nicht mit seinem gottlosen Wesen verseuche". Die MCC erlaubt einen kirchlichen (Neu-)Anfang. "Hier ist es möglich, die eigene Energie ganz auf den Glauben, auf Gott und auf ein positives Miteinander zu konzentrieren" meint Thomas Friedhoff, der Pastor der Gemeinde. Jesus steht im Vordergrund, nicht der Kampf um Verständnis für die eigene Homosexualität, keine Rechtfertigungsarien, und, Gott sei Dank, kein gütiger Zuspruch mehr, man werde das Problem mit etwas gutem Willen und gemeinsamen Gebet schon wieder in den Griff bekommen.

Die Position der Bibel zum Thema Homosexualität scheint eindeutig: "Macht Euch nichts vor! Menschen, die mit Partnern aus dem eigenen Geschlecht verkehren.... werden nicht in Gottes neue Welt kommen." (1.Kor. 6, 9+10) Thomas sieht das etwas anders: Für ihn ist die Bibel nicht das Wort Gottes. Sie sei von Menschen geschrieben, die Gott sicherlich nahestanden, die jedoch auch ihrem gesellschaftlichen Umfeld verpflichtet waren. Bei der Interpretation müsse deshalb der geschichtliche Kontext berücksichtigt werden. Thomas geht sogar noch einen Schritt weiter: "Ich glaube, daß Homosexualität Gott-gewollt ist." Schwule und lesbische Beziehungen könnten etwa heterosexuelle Rollenklischees überwinden und andere Formen menschlichen Zusammenlebens aufzeigen.

Der Gott der MCC ist ein liebender Gott, der Gott des Evangeliums: "Durch Jesus Christus, unseren Herrn, hat Gott uns seine Liebe geschenkt. Darum gibt es in der ganzen Welt nichts, was uns jemals von Gottes Liebe trennen kann." (Röm 8,39) C'est ca! - Regeln und Vorschriften sind zweitrangig. Ob man schwul ist oder hetero, ob man monogam lebt oder in der Promiskuität seine Erfüllung findet, ist völlig egal. Und wenn sich Grenzen verwischen, was spielt es dann noch für eine Rolle, ob Gott männlich ist oder weiblich ist oder...

Peter Roether

arrow_up Artikel-Übersicht
 

 

Queer - Juli 1998

CSD-Kontraste

Tausende auf dem Jungfernstieg -aber nur 25 in der KZ-Gedenkstätte

Hamburg - Während sich am Hamburger CSD-Sonntag die Masse der Gleichgeschlechtlichen-Comrnunity beim Straßenfest an der Alster vergnügte, fand zur gleichen Zeit im Rahmen des CSD vor den Toren der Stadt eine nur wenig besuchte Veranstaltung der etwas anderen Gemeinschafts-Art statt: die Basisgemeinde MCC Hamburg lud zum zehnten Mal zu einem CSD-Gottesdienst in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme ein.

Abgesehen davon, daß mich die geringe Zahl der Teilnehmenden überraschte, welche sich in einer riesigen Halle verloren, und daß darunter weder Politikerinnen noch Journalistinnen zu finden waren, löste der Ort zwiespältige Eindrücke in mir aus: zum einen, mich in einer landschaftlichen Idylle wiederzufinden, zum anderen, eine Banalität des Schreckens zu empfinden, und daß ich mir das Ausmaß des Leids dadurch heute nicht (mehr) vorstellen kann. - Eine grauenhafte und erschütternde Erkenntnis!

MCC-Pastor Thomas Friedhoff sprach über das - wie ich finde für unsere Community fundamentale, aber kaum beachtete - Thema des Mangels an eigenen Wurzeln, Traditionen und Überlieferungen. Wörtlich sagte er: „Es gibt etwas sehr Wichtiges, das uns, die Minderheit der Lesben und Schwulen, von allen anderen Minderheiten unterscheidet: anders als alle anderen Angehörigen von Minderheiten haben wir keine Väter und Mütter, die uns in die Geheimnisse unserer Minderheit einweihen. (…) Wir Lesben und Schwule haben keine Eltern, die uns auf unser Leben in der Minderheit hätten vorbereiten können." Und schon beschwörend fügte er an: „Wir holen uns unsere Eltern und Großeltern zurück. Wir erarbeiten uns die Erinnerung daran, daß es Generationen vor uns gab."

Ich habe das auch als Aufforderung verstanden, die ich hiermit weitergeben möchte: Wir sollten das eine tun, ohne das aridere zu lassen - gemeinsam in Vielfalt feiernd das Leben und die Verbesserungen genießen und gedenkend Herkunft bzw. Bedrohungen nicht ignorieren!

Armin Ketterer
(1998 Referent für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Hamburger Senatsamt für die Gleichstellung)

arrow_up Artikel-Übersicht
 

 

RIK (Raus in Köln) - Oktober 2000

Das "Ja" Gottes auch für Schwule erleben

Der Pastor der Metropolitan-Community-Church Thomas Friedhoff über seine Kirche

Die Metropolitan Community Church (MCC) wurde 1968 in den USA gegründet und hat heute über 35.000 Mitglieder in vierzehn Ländern. Seit 1988 exisitieren auch in Deutschland verschiedene Gemeinden. Die MCC unterscheidet sich in ihrem christlichen Glaubensverständnis nicht von den etablierten Kirchen. Sie bejaht jedoch die Form der menschlichen Sexualität und wird deshalb fast ausschließlich von Schwulen und Lesben besucht.

RIK: Ist die homosexuelle Spiritualität so anders, dass eine eigene Kirche notwendig ist?

Schwule und Lesben benötigen keine eigene Kirche. Was Schwule und Lesben brauchen, ist Kirche, die ihre Art zu leben, bejahend thematisiert. Jede Spiritualität braucht das, dass Kirche den Alltag ihrer Gemeindemitglieder mit Gott in Verbindung zu bringen versucht. Solange die traditionellen Kirchen sich jedoch mit Grauen abwenden von dem, was Lesben und Schwule bewegt, solange tun Lesben und Schwule gut daran, sich Räume zu erschließen, in denen ihre Art zu leben Thema sein kann. Die MCC ist keine Homosexuellenkirche, wohl aber eine Kirche, in der die Lebenserfahrungen von Lesben und Schwulen Raum haben.

RIK: Wie sieht kirchliche Praxis in der MCC aus?

Wenn kirchliche Rituale nicht als tot und sinnlos erlebt werden sollen, müssen sie etwas mit dem Leben der Menschen zu tun haben. Wo homosexuelles Leben sich von heterosexuellem unterscheidet, müssen auch die Rituale variiert werden. Das gilt zum Beispiel für die Partnerschaftssegnung, die die MCC für schwule oder lesbische Paare anbietet. Ein weiteres Beispiel: Im Zuge von HIV und AIDS wuchs die Furcht, durch das gemeinsame Trinken aus dem einen Kelch mit irgendwelchen Keimen in Berührung zu kommen, die für Nicht-Infizierte harmlos sind, sich aber für HIV-Positive zu unberechenbaren Zeitbomben entwickeln könnten. Darum feiern die meisten MCCs das Abendmahl in der Form der Intinktion. Das heißt: die Oblate wird in den Kelch mit Traubensaft eingetunkt, so dass niemand beim Abendmahl mehr abwägen muss, ob er sich die Teilnahme erlauben kann oder nicht. So können alle der Einladung des Abendmahls folgen.

RIK: Glaubst du an einen Unterschied zwischen homo- und heterosexueller Spiritualität?

Lesben und Schwule wachsen im Wertesystem der Mehrheit auf. Dieses System lehrt uns, Homosexualität negativ zu beurteilen. Daraus folgt: Wir müssen lernen, unsere Homosexualität zu bejahen, auch wenn man lehrt, sie abzulehnen. In diesem spannungsvollen Rahmen muss sich auch die Spiritualität von Schwulen und Lesben entwickeln. Sie muss dabei vor allem eines leisten: Sie muss Schwulen und Lesben helfen, das "Ja" Gottes zu erleben. Die MCC sieht das als eine ihrer wichtigsten Aufgaben: Gegen die Selbstverneinung, mit der sich viele Lesben und Schwule herumschlagen, die gute Nachricht von der Liebe und Bejahung durch Gott zu setzen. Es gehört zu den schönsten Erfahrungen von MCC-Gemeinden, mitzuerleben, wie diese christlichen Impulse zur Selbstannahme und die Spiritualität, die daraus erwächst, befreiend und heilend wirken.

Interview: Olaf Alp

arrow_up Artikel-Übersicht
 

 

Die Gemeinde (Zeitschrift des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden – Baptisten, in Deutschland) - 2001

Bis heute: Ein frommer Radikaler

Ein ehemaliger Baptist leitet eine Kirche „nicht nur für Lesben und Schwule"

Über die Liebe zwischen Männern sagt die Bibel nichts. Davon ist Thomas Friedhoff aus Hamburg überzeugt. Für ihn war es ein langer Weg, bis er zu dieser Überzeugung gelangte und ein Ja zu seiner eigenen homosexuellen Prägung fand. Immerhin war Thomas Friedhoff nicht nur verheiratet, sondern er war auch Pastor unseres Bundes. Heute arbeitet er immer noch als Pastor, nämlich in der Metropolitan Community Church (MCC) in Hamburg. Dabei handelt es sich um „eine Kirche nicht nur für Lesben und Schwule". Doch die meisten der rund 100 Mitglieder sind homosexuell. Diese Kirche hat kein eigenes Zentrum, sondern versammelt sich zum Gottesdienst im CVJM-Haus im Stadtzentrum. Er arbeitet im Büro von „Prävention", einer Beratungsstelle zur Verhinderung der Immunschwäche Aids, als Sozialarbeiter und Berater.

Mit 15 Jahren wird Thomas Friedhoff Christ. Er gehört zur Jesus-People-Bewegung. Er erlebt eine tiefe Bekehrung. „Das war keine Wundergeschichte", erläutert er. Andere hätten damals große Erfahrungen mit Gott gemacht und dabei etwa die Befreiung von Drogen- und Alkoholsüchten erlebt. 1972 lässt er sich in der Gemeinde Hannover-Walderseestraße taufen. Er gilt als Radikaler. Dass Jesus bald wiederkommt, ist für ihn sonnenklar. Deshalb gibt es für ihn nichts wichtigeres als die Gemeinde. Er will Pastor werden. Alles läuft glatt. Er wird am Theologischen Seminar unseres Bundes aufgenommen. Anfang der 80er Jahre macht er sein Examen. Zwischenzeitlich heiratet er. Er liebt seine Frau, doch innerlich gibt es eine Sperre. „Ich musste feststellen, dass ich mit meiner Sexualität in einer Sackgasse gelandet war. Das war für alle Beteiligten kein Vergnügen", sagt er heute.

Später verliebt er sich in einen Mann - landet mit ihm im Bett und entdeckt, welch eine Erfüllung Sexualität vermitteln kann. Die Folge: Er trennt sich von seiner Frau. Auch beruflich muss er sich neu orientieren. Nach seinem Coming-out als Homosexueller hat er keine Zukunft als Baptistenpastor. Den Beruf hat er damals noch nicht ausgeübt, da er nach seinem Examen zunächst seinen Zivildienst in der J.-G.-Oncken-Gemeinde Hamburg-Grindelallee leistet.

Eigentlich hätte er seine homosexuelle Orientierung schon früher feststellen können, räumt Thomas Friedhoff heute ein. Er hatte sich als Teenager in Mitschüler verliebt, doch das Gefühl nicht zugelassen, „weil ich so radikal fromm war". Er war davon überzeugt, dass man als Christ nicht schwul sein konnte und durfte. Doch nach seinem Coming-out machte er eine ungewöhnliche Erfahrung. Er hat seinen Glauben an Gott nicht verloren. Im Gegenteil. „Ich wusste, Gott hat mich in dieser Phase durchgetragen", erläutert er. Er hatte plötzlich kein schlechtes Gewissen wegen seiner sexuellen Prägung. Als Theologe wollte er seiner neuen Erkenntnis auch theologisch auf den Grund gehen. Seine Entdeckung: Alles ist eine Frage des Schriftverständnisses. Wer von einer wörtlichen Inspiration der Bibel ausgeht, für den ist klar, dass Homosexualität Sünde ist. Wer aber nach dem Sinn dieser Stellen fragt, der wird feststellen, so Thomas Friedhoff, dass von homosexuellem Missbrauch die Rede sei oder von Tempelprostitution.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Baptismus hält sich Thomas Friedhoff zu einem Homosexuellen-Netzwerk in Hamburg. Die Erfahrungen, die er dort macht, ähneln denen, die er als Homosexueller in Baptistengemeinden gemacht hat, „nur umgekehrt: Die Schwulen und Lesben verstehen nicht, warum ich immer noch Christ bin". Ungezwungen spricht er darüber, dass er doch seinen Glauben an Jesus Christus nicht verloren hat. Und er ist überrascht, dass er plötzlich viele Menschen kennen lernt, die ähnlich denken wie er - sich aber nicht trauen, darüber zu sprechen. Zusammen mit diesen Gleichgesinnten gründete er die MCC. Diese Kirche war 1968 in den USA von einem ehemaligen Pfingstpastor gegründet worden, der wegen seiner Homosexualität aus seiner Kirche ausgeschlossen worden war. Heute gibt es 300 Gemeinden in 18 Ländern. Ihre Mitglieder setzen bewusst auf Toleranz. Verschiedene Frömmigkeitsstile werden integriert. Die Gläubigentaufe ist ebenso selbstverständlich wie die Kindertaufe.

Und wie denkt der MCC-Pastor über die evangelikale Position, dass man durch die Kraft des Glaubens Befreiung von seiner Homosexualität finden kann? Er stellt solche Erfahrungen nicht in Abrede. Doch er fragt nach ihrem Sinn. „Wozu sollten Menschen die Liebesfähigkeit, mit der Gott sie ausgestattet hat, verbiegen?" Menschen, die das versuchen, seien oft sehr mit sich selbst beschäftigt und lebten kein ansteckendes Christsein: „Sie verschleißen sich im Kampf gegen sich selbst."

Er weiß, dass es unter den Betroffenen eine „ganz erhebliche Rückfallquote gibt". Seine Gemeinde versteht sich als missionarisch. Sie will gezielt Homosexuelle für Jesus Christus gewinnen. Viele, so die Erfahrung von Thomas Friedhoff aus der Seelsorge, saugten das Evangelium auf wie ein trockener Schwamm.

Klaus Rösler

arrow_up Artikel-Übersicht
 

 

hinnerk - Februar 2003

Eine Kirche für alle

Die „Metropolitan Community Church" in neuen Räumen

Neue Heimat für homosexuelle Gläubige: Die MCC-Basisgemeinde .Hamburg trifft sich ab sofort in ihren Räumen am Steindamm 87. Jeden Sonntag findet dort um 18 Uhr ein Gottesdienst für Schwule und Lesben statt.

Christlicher Glaube und die Liebe zum eigenen Geschlecht - das passt für viele nicht zusammen. Viele Mitglieder der „Metropolitan Community Church" (MCC) hatten diese Erfahrung hinter sich - sei es, dass sie direkt aufgefordert wurden, ihre Gemeinde zu verlassen, sei es, dass sie ein Doppelleben in der Kirche dauerhaft nicht aushalten wollten. „Die MCC ist vor allem entstanden, weil viele Schwierigkeiten in den Kirchen hatten", erzählt Thomas Friedhoff, selbst evangelischer Theologe. „Da hat es mit der Zeit einen Wandel gegeben: Heute kommen mehr Leute zu uns, die hier ihre ersten religiösen Erfahrungen machen."

Friedhoff führt dies auf eine „Sehnsucht nach Spiritualität" zurück. In unsteten Zeiten ist der Glaube für viele Menschen ein Halt. „Wir bieten außerdem einen geschützten Rahmen", so Friedhoff. Die Mitglieder und Gottesdienst-Besucher schätzten Austausch und Gebet, „ansonsten sind wir eine ganz normale Freikirche." Eine, die sich durch ein bunteres, familiäreres Gemeindeleben von der herkömmmlichen Kirche unterscheide, so Friedhoff. „Natürlich hat auch das Thema Sexualität bei uns einen anderen Stellenwert."

Rund 100 Personen fühlen sich in Hamburg der MCC verbunden. Zwischen 20 und 35 Besucher werden beim sonntäglichen Gottesdienst gezählt, 12 Personen predigen und verfolgen dabei die Idee des „Priestertums aller Gläubigen". „Niemand muss ordiniert sein, um bei uns einen Gottesdienst abzuhalten", erklärt Friedhoff. Die MCC bietet spezielle Kurse an, die Interessenten entsprechend befähigt. Außerdem gibt es vertiefende Seminare, etwa zum Thema „Sexualität und Bibel".

Im Gottesdienst selbst finden sich viele liturgische Standards: Predigt, Fürbitte, Abendmahl - Elemente, die jeder kennt, der christliche Gottesdienste besucht hat. Auf Kirchentagen oder beim CSD ist die MCC ebenfalls präsent, mit positiver Resonanz. „Da gibt es viele interessante Begegnungen und häufig auch wohlwollende Reaktionen", so Friedhoff. „Viele Menschen sind auf der Suche."

Stefan Mielchen

arrow_up Artikel-Übersicht
 

arrow_up Seitenanfang